Eugen Drewermann im Film “Nachtmeerfahrten”

Veröffentlicht am 17. Januar 2012 von Alexander Keine Kommentare

C.G. Jung “Turm” 47°13’16.44″N 8°54’18.58″E

Was Freud wollte, ist in der Mythologie die er verwendet griechisch, es ist abendländisch. Und was er will, ist Menschlichkeit, es ist ein ungeheurer menschlicher Fortschritt, sich um das Unbewusste zu bemühen. Es ist eine Kulturrevolution, Menschen nicht mehr zu verurteilen, selbst in ihren verbrecherischen und perversen Impulsen, sondern durch Verstehen zu heilen, das ist unerhört. Teil einer universellen Humanisierung des menschlichen Gefühlslebens.

Ein Mythos dem wir nach wie vor bedingungslos anhängen ist das Schema von Gut und Böse und der Aktivierung von Gewalt im Kampf gegen das Böse, dem Mythos vom Drachenkampf in den Märchen, den Mythen und in der Bibel, Michael und der Drache {12. Kapitel der Apokalypse) in dem der Teufel eine elementare Rolle spielt. Immer noch glauben wir, dass wir das Böse überwinden können durch strafende Gewalt. Das ist in unserer Justiz der Fall, das wird sogar von der Pädagogik übernommen; wir müssen durch Strenge und Strafe die Norm einsetzen, und Strafe bewährt schon unseren Kindern vermitteln und das wird auch international so gehandhabt. Wir führen Kriege im Grunde genommen wie eine juristische Exekution. Wir schalten das Böse aus. Diese Idee ist jedoch für jeden der darüber nachdenkt absurd.
Sie macht aber psychologisch Sinn. Da ist etwas das wartet, integriert zu werden. Integration ist aber nicht Vernichtung, sondern Annahme, Verstehen, Durcharbeiten. Genau das geschieht nicht. Wir interpretieren den Mythos politisch, militärtechnisch dahin, dass wir die aller stärksten sein müssen um das Böse zu besiegen. Also müssen wir im Vorfeld noch böser sein als der Böse, dann können wir destruktiv die Macht erringen, um seine Destruktion nieder zuhalten. Wir holen den Teufel aus der Hölle, indem wir schlimmer als der Teufel werden und richten die ganze Welt als Hölle ein. Das ist die Folge dieser Art von Mythologie und wir folgen ihr bedingungslos.
(Zitat von Eugen Drewermann, Theologe und Psychotherapeut, aus dem Film “Nachtmeerfahrten” von Regisseur Rüdiger Sünner.)

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