Ich schrieb auch an SFDRS “Tapetenwechsel – Das grosse Zügeln”

Veröffentlicht am 7. Juli 2007 von Alexander Keine Kommentare

Im Fernseher habe ich per Zufall auf dem Kanal SF1 eine Vorschau der Sendung “Tapetenwechsel – Das grosse Zügeln” gesehen. Da hatte ich eine Idee und ich griff zur Tastatur um das Team anzuschreiben, vielleicht habe die ja eine Idee wie ich am besten eine Rollstuhlgängige Wohnung finden kann oder wo ich noch nachfragen könnte. Ich dachte, die müssen ja Ahnung habe, das sind doch Profis! Weit gefehlt, beachtet die sehr professionelle Antwort sowie die Zeit wann meine Email und die Antwort gesendet wurde.


—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: Alexander Novak [mailto:alexander@novak.net]
Gesendet: Mittwoch, 11. Oktober 2006 17:04
An: Tapetenwechsel
Betreff: Liebes Tapetenwechsel Team

Liebes Tapetenwechsel Team

Leider habe ich die Anmeldung für die Sendung Tapetenwechsel verpasst. Gott
weiss, ich hätte einen “Tapetenwechsel” wirklich nötig, denn mein Schicksal
stellt mir nur Stolpersteine in den Weg. Hoffentlich kommt wieder ein
Aufruf seitens Ihrer Sendung, respektive eine neue Staffel, für die ich mich
sehr gerne anmelden und teilnehmen würde.

Vor 3 1/2 Jahren diagnostizierte man bei mir Multiple Sklerose. Ich hätte
mir nie vorstellen können im Alter von 30 Jahren mein Leben neu und
einschneidend strukturieren zu müssen. Als erstes durchlebte ich die Mühlen
der IV, bis ich als „IV Bezüger“ akzeptiert wurde, dauerte es 2 Jahre.
Gott sei Dank mache ich nun eine Umschulung im Informatikbereich, finanziert
von der IV, weil ich meinen alten Beruf als Sicherheitsmitarbeiter nicht
mehr ausüben kann. Als hätte ich damit nicht genug um die Ohren, begleitet
mich noch der seelische Prozess der diese Erkrankung mit sich bringt und mit
viel Energieaufwand verbunden, lernen akzeptieren zu müssen, dass sich meine
Gesundheitssituation kontinuierlich verändert und ich meine Lebens-
respektive Gesundheitssituation immer wieder neu annehmen wie auch gestalten
muss.

Seit meiner Geburt lebe ich in einem Wohnblock mitten in Zürich, in der
Gemeinde Schwammendingen. Leider ist im Haus die Lebensqualität in den
letzten 2 Jahren sehr gesunken, die Mitbewohner benehmen sich, natürlich im
übertragenen Sinn, wie Tiere. Es existiert schon lange keine Hausordnung
mehr und der Vermieter kümmert sich nicht um die Verbesserung der
Lebensqualität in diesem Haus, trotz mehrmaliger Reklamation und
Unterschriftensammlung meinerseits. Dies verschlechtert meine Situation
ungemein, raubt mir zusätzlich Energie und trägt bezüglich
Krankheitsbewältigung nichts bei. Es ist ungemein störend, wenn man eine
solche Erkrankung hat und nicht genügend Ruhe für die Regeneration hat und
erschwert eine Widerfindung von mir und eine Konfrontation mit meiner
ständig sich ändernden gesundheitlichen Situation.

Die schon bestehenden depressiven Verstimmungen häufen sich, denn es vergeht
kein ruhiger Tag, geschweige denn eine ruhige Nacht. Meine Wohnung entpuppte
sich zu einer Zelle ähnlich wie in einem Irrenhaus. Meine Mitbewohne kommen
wirklich auf skurrile Ideen: Jede Nacht und auch an Sonntage betreiben Sie
FengShui, Sie schieben wirr Möbel herum, zügeln, saugen Staub, bauen Betten
zusammen, veranstalten Partys im Treppenhaus, sägen Holz, stampfen mit
Ihren Füssen wie Nilpferde und das 24 Stunden am Tag und sieben Tage die
Woche.
Der Ideenreichtum meiner Nachbarn hat keine Grenzen, grenzt schon beinahe an
Kreativität, zwar eher im destruktiven Sinn. Ich habe momentan keine Kraft
mehr, meine Ressourcen sind aufgebraucht.

Ich entschied mich daher vor einem viertel Jahr, dass nur eines mir helfen
kann, nämlich wenn ich hier „RAUS“ gehe und das so schnell als möglich. Da ich
inklusive meiner Beeinträchtigung in die Zukunft schauen muss, jedoch nicht
weiss wann sich mein Gesundheitszustand auf welche Art verschlechtert und
ich mich in nicht absehbarer Zeit nur noch mit einem Rollstuhl bewegen kann,
suche ich eine rollstuhlgängige und -gerechte Wohnung. Lieber jetzt als
später, wenn ich dies vielleicht nur noch mit Unterstützung Dritter machen
kann. Wie bereits angetönt fällt es mir im momentanen Zustand bereits
schwer, dieses Unterfangen selbständig zu bewältigen, darum wende ich mich
ja an Sie.

Von meiner Gemeinde bekomme ich keine Hilfe, es steht mir kein
Sozialarbeiterin zu, damit mich dieser bei dieser Aufgabe unterstützen
könnte. Genau das gleiche auch bei der IV, ich bekomme auch dort keine
Unterstützung.

Bei der MS Gesellschaft und bei ProInfirmis würde ich eine Beihilfe für die
Kaution und die Umzugsgebühren bekommen. Ich habe mich sogar an den
MATA-Dienst gewendet, aber die sind mit meiner Wunschvorstellung von einer
rollstuhlgerechten Wohnung, trotz 60jähriger Erfahrung, einfach überfordert.

Meine neue Traumwohnung soll 3 1/2 Zimmer gross sein, denn ich brauche
unbedingt einen Raum für meine Computer und eine Lernmöglichkeit. Ich wohne
jetzt in einer 2 1/2 Zimmer Wohnung und es ist einfach alles zu eng. Bei der
Preisvorstellung habe ich mich anfänglich verschätzt, da ich die
Budgetgrenze auf Fr. 1300.-/Mt. festgelegt habe. Ich dachte dieser Betrag
würde genügen. Leider musste ich nach zeitintensivem Studium des
Wohnungsmarktes und Wohnungssuche feststellen, dass sich der monatliche Zins
einer rollstuhlgängigen Wohnung im Rahmen von Fr. 1700.- bis sogar Fr.
2000.- bewegt.

Ich bin am nahezu am Verzweifeln und hoffe auf Ihre professionelle Kompetenz
und Erfahrung. Bitte helfen Sie mir, geben Sie mir eine Hoffnung, eine Idee
oder einen guten Tipp für die ich mich voraus herzlich bedanke.

Liebe Grüsse

Alexander Novak

Hier die Antwort der Redaktion, die 11 Minuten nach dem ich mein Email gesendet habe abgeschickt wurde. Ein Zeichen das die Person die meine Email erhielt zu überfordert war und den Brief gar NICHT RICHTIG! gelesen hat (…ich habe gar nicht geschrieben das mir die Sendung gefällt!). Darum auch kein Name am Ende, sonder nur Mit freundlichen Grüssen > Das “Tapetenwechsel”-Team.


—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: Tapetenwechsel@sf.tv [mailto:Tapetenwechsel@sf.tv]
Gesendet: Mittwoch, 11. Oktober 2006 17:15
An: alexander@novak.net
Betreff: AW: Liebes Tapetenwechsel Team

Sehr geehrter Herr Novak

Vielen Dank für Ihr Mail und Ihr Interesse an unserer neuen Sendung “Tapetenwechsel – Das grosse Zügeln”. Es freut uns, dass Ihnen die Sendung so gut gefallen hat. Eine zweite Staffel ist noch nicht geplant. Wenn es eine zweite Staffel geben sollte, wird es einen Aufruf im Fernsehen geben, wo man sich melden kann. Anmeldungen werden zur Zeit keine angenommen.

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und es tut uns leid Ihnen keine besseren Bescheid geben zu können. Wir wünschen Ihnen viel Kraft und Glück und vielleicht, wenn es wieder eine Staffel gibt, klappt es ja.

Mit freundlichen Grüssen

Das “Tapetenwechsel”-Team

Hier mein Kommentar zur diesem Email:


Liebes Tapetenwechsel Team

Ich habe Ihnen in diesem Mail meine sehr schwierige Lebenssituation geschildert, was mir sicherlich nicht einfach viel. Mir ist natürlich klar, dass ich einer von vielen bin, denen das Schicksal stark zugesetzt hat.
Gerade deshalb bin ich von der überaus knappen Antwort, welche höchstens 10 Min. gedauert hat, sehr enttäuscht und ich habe somit um so mehr das Gefühl, dass ich mit meinem schweren Schicksal alleine dazustehen scheine und von der Gesellschaft am liebsten vergessen werde.
Da Ihr Team und insbesondere Ihre Redaktion wie bereits erwähnt, des öfteren mit schwierigen Lebenssituationen zu tun hat, hätte ich mir zumindest einige professionelle Tipps erwartet.
Ich rezitiere aus dem Antwortmail “Wir wünschen Ihnen viel Kraft und Glück und vielleicht, wenn es wieder eine Staffel gibt, klappt es ja.”. Ich danke Ihnen für diese Wünsche, doch woher soll ich die Kraft nehmen, wenn ich des Suchens müde und durch etliche Hiobsbotschaften genährt, die Kräfte weichen?

Mit freundlichen Grüssen
Alexander Novak

 

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